Tag Archives: Gender

Neues aus dem Elfenbeinturm

Auf Fefes Blog bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der sehr schön den Irrsinn zusammenfasst, der entsteht, wenn man es mit der Konstruktion gendergerechter Sprache zu weit treibt. Es geht um diesen Text hier, der so unverständliche Formen wie »dixs Studierxs« einführt, was wie folgt erklärt wird:

Wir* haben uns* für die x-Form entschieden, um Alle anzusprechen, ohne Positionierungen auszuschließen. Das x steht für die Durchkreuzung gegenderter Personenvorstellungen.

Offensichtlich hat keiner daran gedacht, dass Texte sich auch zum Vorlesen eignen sollten. Mir ist jedoch völlig unklar, wie man diese künstlichen Formen aussprechen soll. (Ganz abgesehen davon, dass man, wenn man sie ausspricht, nicht mehr zwischen Singularendungen und Pluralendungen unterscheiden kann, beide lauten dann, so wie ich es mir erschließe, /ks/.)

Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt, ist, dass sich der Text auch in starkem Maße für Behinderte einsetzt, indem auch solche inzwischen feststehenden, semantisch ausgeblichenen Konstrukte wie »Begriff« markiert werden, um keine Personen auszugrenzen, denen eine bestimmte Handlung (in diesem Fall greifen) nicht möglich ist. Das ganze wird dann als »Be_griff« notiert. Hier wird völlig ignoriert, dass die meisten dieser Konstrukte inzwischen zu vollkommen eigenständigen Wörtern geworden sind, deren Bedeutung sich eben nicht mehr kompositional erklären lässt. Aber das nur am Rande.

Was ich mich vielmehr frage, ist: Wenn man sich so stark für die Gleichbehandlung und Entdiskriminierung von Behinderten einsetzt: Wie soll dann ein Screenreader, auf den ja viele sehbehinderte Personen angewiesen sind,  solch völlig an den Haaren herbeigezogenen Konstruktionen wie »dixs Studierxs« aussprechen? Das ist doch wieder mal ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie man sich so dermaßen in seinen Ideologien verrennen kann, dass man den Bezug zur Realität völlig aus den Augen verliert. Oh, Verzeihung… Der Phraseologismus »aus den Augen verlieren« ist dann wohl augentechnisch auch fehl am Platz, habe ich Recht?

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Made my day: Gender disclaimer

Diese Erklärung zur Art und Weise des Genderns »made my day«. :)

For the sake of readability, I will exclusively use male pronouns when referring to individuals who may as well be female as they may be male. I believe, in a work like this, cognitive capacity is better spent on understanding a sentence’s meaning than on the also important reminder of the falseness and injustice of male prototypes forming mental representations of descriptions using this admittedly unfortunate and biasing diction.

Nevertheless, I apologize to anyone who does not accept this explanation as satisfactory and might feel offended or segregated.

Mertes, C. (2008). Multimodal Augmented Reality to Enhance Human Communication. Diploma Thesis, Universität Bielefeld. p. i.

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Heiße Luft mit krassen Termen

Wieder mal so ein toller Artikel in der Poolpropaganda:

[Die Autorin] stellt die Frage, ob das queere Anliegen einer Pluralisierung geschlechtlicher Positionen in eine ungewollte Passfähigkeit zu den Erfordernissen postfordistischer Produktion geraten ist. Soiland vertritt die These, dass die queere Kritik am Feminismus die Benennung der Anliegen von Frauen und ihre nach wie vor bestehende kollektive Betroffenheitslage ebenso wie die Artikulation eines feministischen Kollektivs verhindert.
Poolpropaganda, 7. Jahrgang, 18. KW, 14

Hääää? Selbst ich, der ich gern lange, komplexe Sätze schreibe, musste dieses Monstrum erst mehrmals lesen, um überhaupt die Chance zu haben, durchzusteigen. Offensichtlich unterliegt der Autor (oh Verzeihung!) das textproduzierende Wesen (ist das so wohl gegendert genug?) dem Irrtum, dass besonders komplex gedrechselte Sätze mit möglichst vielen Fremdwörtern gleichbedeutend sind mit besonders hoher Wissenschaftlichkeit. Dem ist nicht so — im Gegenteil. Solche Sätze sind es, bei denen ich mal wieder akute Antipathie kriege, angesichts einer solchen Inselbildung, einer Einigelei in einen exklusivistischen Elfenbeinturm von anwendungsfernen Theorien, die aus nichts weiter bestehen als heißer Luft und aus konstruierten Phrasen mit der maximal möglichen Anzahl an Fremdwörtern.

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Gendergedöns™ im Silmarillion

Ich erwähnte es schon bei Twitter und Facebook — hier nun noch einmal das genaue Zitat, das mich erstaunte — Gendergedöns™ hätte ich bei Tolkien eher weniger vermutet.

Therefore the Valar may walk, if they will, unclad, and then even the Eldar cannot clearly perceive them, though they be present. But when they desire to clothe themselves the Valar take upon them forms some as of male and some as of female; for that difference of temper they had even from their beginning, and it is but bodied forth in the choice of each, not made by the choice, even as with us male and female may be shown by the raiment but is not made thereby.

Tolkien: The Silmarillion. Ainulindalë.
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