Was ich mich ja immer frage: Was hat es mit dieser sogenannten »Datei« auf sich, auf die ja immer wieder die Sprache kommt, sobald irgendwer was Böses gemacht hat, und die Polizei oder der Staat versuchen, das ganze informationstechnisch in den Griff zu bekommen? Zuletzt aktuell wurde der Begriff (mal wieder) durch die Neonazi-Vorkommnisse.
Für mich und mein Sprachverständnis ist eine Datei eine Speichereinheit auf einem Datenträger, üblicherweise mit einem Namen inkl. einer Endung (meist) zur Markierung des Dateityps versehen, und in Ordnern organisiert, und intern (beispielsweise) über Inodes organisiert.
Die Frage war dann: Was für eine Datei also erzeugen sich die Experten dann da? Zutrauen würde ich denen alles. Typisch wäre ein Word-Dokument mit Tabellen drin. Oder meinetwegen auch eine Excel-Tabelle. Auch PowerPoint hat sich in meiner bisherigen Erfahrung (durch Zwang von oben) als erstaunlich flexibel erwiesen, beispielsweise zum Setzen von A0-Postern oder um Türschilder und Wegweiser damit zu erstellen — Zitat: »Ist ja Querformat, dann nehmen wir doch am besten PowerPoint«.
Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wie man mit so einem Ding effektiv arbeiten kann, ganz abgesehen davon, wie mehrere örtlich getrennte Einheiten damit arbeiten sollen. Vermutlich fügt jeder neue Informationen im Word-Dokument am Ende an und schickt das Ding als Email-Antwort zurück an alle anderen? Versionsverwaltung des Volkes.
Ich hätte ja eher eine Datenbank vermutet, die man entsprechend abfragen kann, aber doch keine einzelne Datei? Gerade bei den rudimentären Suchfunktionen, die es in MS Office so gibt?
Soweit nun meine Überlegungen — und dann fand ich folgenden Eintrag des Duden als Definition für »Datei«:
nach zweckmäßigen Kriterien geordneter, zur Aufbewahrung geeigneter Bestand an sachlich zusammengehörenden Belegen oder anderen Dokumenten, besonders in der Datenverarbeitung
Das passt natürlich sehr gut auf das, was offensichtlich gemeint ist, wann immer die Rede von einer Datei zur Verbrechensbekämpfung die Rede ist. Aber diese Definition scheint wohl auch für die Dateien, so wie ich sie kenne, zu gelten, jedenfalls in den Augen der Duden-Redaktion.
Da ist doch wohl eindeutig Nachbesserungsbedarf vorhanden. Oder warum sind geordnete »Belege« und »andere Dokumente« konstitutiv dafür, dass ein Bestand als Datei gilt? Es gibt Dutzende von Datei-Arten, in denen rein gar keine Belege und Dokumente enthalten sind, etwa ausführbare Programmdateien oder Konfigurationsdateien. Ich kann auch genausogut Nonsens oder überhaupt gar keinen Inhalt in eine Datei schreiben, und das Ding ist trotzdem eine Datei — nur eben eine leere, oder eine, in der der Inhalt keine Bedeutung hat.
Also, was soll das, Dudenredaktion? Nachbessern, bitte. Macht doch wenigstens zwei Lemmata daraus, wenn diese (in meinen Augen) sehr seltsame Definition der Datei als Dokumentensammlung unbedingt sein muss. Ich jedenfalls habe außer den Medien noch niemanden gehört, der »Datei« mit dieser Bedeutung benutzt hat.