Monthly Archives: Mai 2010

Das Original zum Cover: »Das rote Pferd« vs. »Milord«

Eben erinnerte ich mich an eine Begebenheit in einer Pizzeria in Berlin (»San Marco«, Nähe Nollendorfplatz, sehr zu empfehlen übrigens!), die mich doch etwas zum Nachdenken brachte. Ein junges Heteropärchen, sie stark einparfümiert, er sportiv-lässig und oberlippenbebartet, saßen am Tisch in der Ecke. Die Musik wechselte auf ein schönes altes Lied von Edith Piaf, und das einzige, was den beiden dazu einfiel, war etwas wie »cool, das ist ja das rote Pferd auf Französisch!«

Hier setzt mein soeben konzipierter musikgeschichtlicher Bildungsauftrag ein: Das Aufzeigen von Originalversionen zu bekannten Covern. Den Anfang macht also (das bin ich dem Spatz von Paris schuldig) »Milord«, berühmt geworden durch Edith Piaf. Die Go-Parc-Generation kennt das Ganze auch als das fürchterliche »Rote Pferd«.

Tagged , , , , ,

Gendergedöns™ im Silmarillion

Ich erwähnte es schon bei Twitter und Facebook — hier nun noch einmal das genaue Zitat, das mich erstaunte — Gendergedöns™ hätte ich bei Tolkien eher weniger vermutet.

Therefore the Valar may walk, if they will, unclad, and then even the Eldar cannot clearly perceive them, though they be present. But when they desire to clothe themselves the Valar take upon them forms some as of male and some as of female; for that difference of temper they had even from their beginning, and it is but bodied forth in the choice of each, not made by the choice, even as with us male and female may be shown by the raiment but is not made thereby.

Tolkien: The Silmarillion. Ainulindalë.
Tagged , , , ,

A tough call

Robert Frost und Johanna Spyri — diese beiden in einem Satz zu nennen, kommt wohl nicht oft vor. Dennoch beschreiben ihre Werke ganz schön akkurat, was ich im Moment so fühle…

TWO roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood

… und genau da stehe ich, an Robert Frosts Wegkreuzung aus »The road not taken«, und betrachte beide Straßen, und weiß nicht so recht, welche wirklich die bessere ist. Hinzu kommt, dass ich durch Johanna Spyri und das von ihr geschaffene Heidi (ja, im Originaltext ist die Protagonistin konsequent sächlich) ein recht negatives Bild von der einen Option vermittelt bekommen habe. Und genau vor dieser Situation hier habe ich Angst:

»Aber wohin kann man denn gehen, dass man weit, weit hinuntersehen kann über das ganze Tal hinab?«

»Da muss man auf einen hohen Turm hinaufsteigen, einen Kirchturm, so einen, wie der dort ist mit der goldenen Kugel oben drauf. Da guckt man von oben herunter und sieht weit über alles weg.«

[…]

Heidi stieg an der Hand des Türmers viele, viele Treppen hinauf; dann wurden diese immer schmäler, und endlich ging es noch ein ganz enges Treppchen hinauf, und nun waren sie oben. Der Türmer hob Heidi vom Boden auf und hielt es an das offene Fenster.

»Da, jetzt guck hinunter«, sagte er.

Heidi sah auf ein Meer von Dächern, Türmen und Schornsteinen nieder; es zog bald seinen Kopf zurück und sagte niedergeschlagen: »Es ist gar nicht, wie ich gemeint habe.«

Aber wie finde ich heraus, wie es ist, wenn ich es nicht versuche?

Tagged , ,
Optimization WordPress Plugins & Solutions by W3 EDGE