Und es geht doch!

Lange Zeit wurde man mit schlechten Operninszenierungen gequält. Da trägt die Königin der Nacht aus heiterem Himmel quietschgrüne Flokatikleider, Figaro wird trotz beachtlicher Leibesfülle unmotiviert in ein Hawaiihemd gezwängt, oder Wotan kommt mit Aktentasche und Handy daher. Ich habe daher die Hoffnung beinahe schon aufgegeben, eine Inszenierung einer Oper zu finden, die zwar modernisiert, aber das Werk trotzdem sinnig und konsequent inszeniert, so dass die Motivation einer Modernisierung nachzuvollziehen ist.

Und dann stieß ich aus heiterem Himmel auf eine Verfilmung der »Zauberflöte«, die kein Geringerer als Kenneth Branagh geschaffen hat. Und diese Inszenierung schafft es (beinahe noch besser als eine den Szenenangaben entsprechende »klassische« Inszenierung), die Motivation der Charaktere, die dramatischen Konflikte und die sich auseinander ergebenden Konsequenzen gut und stimmig darzustellen.

Zu Beginn des Films werden wir in eine märchenhaft-fantastisch überlagerte Version des Ersten Weltkriegs versetzt. Soldaten in leuchtend blauen Uniformen bereiten sich in einer herrlich grünen Landschaft in Schützengräben auf einen Angriff vor. Bei diesem Angriff wird der Soldat Tamino von seiner Truppe getrennt und gerät ins feindliche Lager. Aber drei Ersthelferinnen retten ihn. Und so nimmt die bekannte Geschichte ihren Lauf. Die Königin der Nacht ist hier Anführerin der einen Kriegspartei und schickt Tamino und Papageno heimlich in das gegnerische Lager, um Pamina aus Sarastros Händen zu befreien.

So weit, so gut. Aber Sarastro ist nicht das Oberhaupt eines pseudo-ägyptischen freimaurerähnlichen Geheimbunds, sondern ein Heerführer, der Flüchtlinge aller Völker und Gruppierungen bei sich aufnimmt, um sie vor der Königin der Nacht zu schützen. Er beschließt, Tamino die Prüfungen aufzuerlegen, um so den schon viel zu lange andauernden Krieg zu beenden. Eindrucksvoll: Sarastros erste Arie auf dem Soldatenfriedhof vor den versammelten Flüchtlingen.

Mehr kann ich schlecht verraten, ohne die Schlüsselmomente des Films vorwegzunehmen. Ich kann nur jedem, der an Mozartopern interessiert ist, empfehlen, diesen Film einmal anzusehen. Nicht zuletzt auch wegen der gelungenen Übersetzung ins Englische, die eine aktuelle und treffende Sprache findet, ohne zu viel vom eigentlichen Duktus des Textes zu verlieren.

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